GITEC-Meeting 2020: Der Kemper Profiling Amp im experimentellen Vergleich zu Hardware-Verstärkern

Ein weiterer Höhepunkt des GITEC-Meetings 2020 wird dieser Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Kopiez:

Zum Verwechseln ähnlich (?) – Der Kemper Profiling Amp im experimentellen Vergleich zu Hardware-Verstärkern

Die digitale Simulation von Instrumentenklängen ist während der letzten Jahrzehnte zu einem wichtigen Bestandteil von Musikproduktion und Live-Performance geworden. Auch die charakteristischen Klänge empfindlicher Gitarrenverstärker werden immer häufiger digital nachgebildet. In Modeling-Amps (Abk. für „Amplifier“, dt. „Verstärker“) wird der Klang der Hardware nachgebildet und auf Knopfdruck abrufbar gemacht. Noch weiter geht die „Profiling“-Technologie: Damit müssen Gitarristen oder Bassisten nicht länger auf die vorgefertigten Sounds der verschiedenen Hersteller zurückgreifen, sondern bilden stattdessen ihren individuellen Sound nach. Wissenschaftlich ungeprüft blieb bislang jedoch das Qualitätsversprechen eines prominenten Herstellers von Simulations-Verstärkern, die Simulation sei vom Originalklang nicht zu unterscheiden. Dies war die Zielsetzung dieser Studie. In einer Online-Studie beurteilten 177 Testpersonen zwölf Hörbeispiele dahingehend, ob die kurzen Phrasen mit der Original-Hardware aufgenommen wurden oder mit einer Simulation der Hardware mittels des Kemper Profiling Amps.

Das Erkennen eines mit dem Simulations-Verstärker erstellten Hörbeispiels stellte sich dabei als etwas leichter heraus (60 Prozent korrekt) als das richtige Zuordnen eines mit der Original-Hardware erstellten Hörbeispiels (53 Prozent korrekt). Insgesamt liegen die Urteiler damit nur knapp über Rateniveau.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Skepsis gegenüber digitalen Simulationen nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Der KPA Simulations-Verstärker ist durchaus in der Lage, einen qualitativ hochwertigen Sound zu produzieren, der sich für die Meisten kaum noch vom Original unterscheiden lässt. Besonders in Live-Situationen scheint er ein verlässliches und sehr komfortables Mittel zu sein, den Sound aus dem Studio auf die Bühne mitzunehmen. Ein Defizit bleibt jedoch bei der Klangsimulation: Bilder von beeindruckenden Verstärker- und Lautsprechertürme gibt es bei diesem Ansatz nicht zu sehen.