Equalizer und Phase

Dieses Thema enthält 9 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Schnippendippel vor 1 Jahr, 2 Monate.

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  • #2303

    Schnippendippel
    Teilnehmer

    …An die Physikabteilung….

    Hallo liebe Forenmitglieder,

    ich habe eine kleine technische Frage die Ihr mir wahrscheinlich sehr leicht beantworten könnt. Wie manche von Euch aus einem anderen Thema ja bereits wissen, bin ich ja mit meinem Sound nicht zu 100% zufrieden und suche nach Verbesserungspotential. Da ich zusätzlich meine ziemlich zusammengeschusterte Anlage, mit Top und Rackeffekten, mal auf transportabel umbauen wollte hat sich nun Folgendes ergeben:

    Ich hatte im parallelen Effektweg meines Topteils einen alten grafischen Studioequalizer um ein wenig die tiefen Mitten anzuheben. Da ich auch noch ein altes 19″ Multieffekt in Betrieb hatte, habe ich mir aus der nicht vorhandenen Auswahl an Stompboxen mit Midi und Multieffektoption das Line 6 M9 rausgesucht, um alle Fliegen mit einer Stompbox zu erschlagen…Das Gerät ist soweit brauchbar ohne irgendwelche Klangtechnischen Highlights zu bringen, aber meine Idee den EQ dieser Modellingkiste im Parallelen Effektweg zu betreiben scheint einen Nachteil zu haben.

    Die eingebauten EQ´s sind an sich sehr gut was Regelmöglichkeiten usw. angeht. Ich habe aber das Gefühl, dass es da möglichweise irgendwelche phasenbedingten Auslöschungen gibt…jedenfalls ist das mein Höreindruck. Ist das technisch gesehen so, dass es wegen der Latenz des EQ´s zu hörbaren Auslöschungen kommt, oder klingt einfach nur der EQ selber so schlecht??? Die anderen Effekte scheinen solche Probleme allerdings nicht zu machen, die klingen alle ok. Der Theorie nach sollte man doch den parallelen Effektweg nehmen um seinen Grundsound nicht zu verwässern und die alten digitalen Multieffekte hatten doch auch schon eine gewisse Latenz…?

    Wisst Ihr eine Antwort???

    Beste Grüße

    Mirko

    #2304
    Dr. T
    Dr. T
    Moderator

    Hallo Mirko,

    also, ganz so leicht ist eine Antwort wohl doch nicht.

    Du hast den EQ im PARALLELEN Weg? D.h. das ge-EQ-te signal wird dem „direkten“ Signal wieder beigemischt. Dies ist ja nicht der übliche Weg, einen EQ zu verwenden – den würde man eigentlich im SERIELLEN Effektweg einschleifen. Parallel ist die Bedienung schwieriger und kann es tatsächlich zu allen möglichen Auslöschungen kommen – je nachdem, was der EQ an Phasendrehungen macht …. und er wird auf jeden Fall welche machen, ohne daß dies ein Indikator für die Qualität des EQ ist. Jedes Filter macht Phasendrehungen. Die Phasendrehungen sind abhängig von der Filtercharakteristik (und damit von der Filter-Einstellungen).

    Was Du Latenz nennst, spielt auch eine Rolle, aber wie groß die ist, kann aus der Ferne und ohne genaue Kenntnis des Geräts und seiner Hard- und Software nicht geschätzt werden.

    Was ich nicht verstanden habe, ist die Kombination Deines „alten“ graphic EQ mit dem Line 6. Sind beide in Serie (nacheinander) im parallelen Effekte Deines Amps? Welche Aufgabe hast Du dem graphic EQ und welche dem L6 Gerät zugedacht? Sollen beide EQ-ing machen? Die andere Sachen aus dem L6 sind nicht in Betrieb?

    Vielleicht kannst Du nochmal genau schreiben, wie das alles angeschlossen ist und was es tun soll.

    Grüße,

    T.

    #2306

    Schnippendippel
    Teilnehmer

    Hallo Dr. T,

    da hatte ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt…Ich wollte mit dem Line 6 Multieffekt, der auch eingebaute EQ Modelle anbietet, den alten 19″ EQ ersetzen und mein altes Intellifex (wegen Delay und Chorus). Ist einfach doof bei Gigs immer noch ein kleines Rack mitnehmen zu müssen. Oder ich hätte mir nen Case für Top + 19″ bauen lassen müssen damit ich nicht immer soviel verkabeln muss…War aber auch mal wieder eine schlecht durchdachte Idee wie es mir scheint. Auf den parallelen Weg bin ich deswegen gekommen weil ich mein Grundsignal nicht verstümmeln wollte und die Soundbeeinflussung auch nicht so stark sein muss…mir fehlen nur so ein paar tiefe Mitten…

    Echt schwer mit möglichst wenig Geraffel einen guten Sound zu bekommen. Ich glaube ich muss mir doch einmal den Kemper anschaun…

    Danke auf jeden Fall schon einmal für die Antwort. Also nehme ich das Line 6 nur für Modulation/Reverb/Delay im parallelen Loop und hab mir wenigstens schon mal das blöde Intellifex gespart was ich schon seit 10 Jahren hasse. Klingt zwar gut…ist aber bedienungsmäßig eine Katastrophe. EQ mäßig muss ich mal schaun. Hat irgendwer von euch denn schon mal seinen Ampsound komplett durch nen EQ im seriellen Loop geleitet und damit brauchbare Ergebnisse erzielt??? Oder eine Empfehlung für nen guten Fusstreter EQ???

    Beste Grüße

    Mirko

    #2307
    Dr. T
    Dr. T
    Moderator

    n‘ Abend Mirko,
    tja, ich glaube, da kann ich Dir jetzt nicht helfen. Was ich Deinen posts entnehme, ist, daß Du offenbar Deinem Gitarrensound weitaus kritischer gegenüberstehst als ich meinem. Deswegen traue ich mich nicht, Dir etwas zu empfehlen.

    Meine eigenen Erfahrungen mit „serieller“ EQ-Benutzung sind allesamt sehr positiv. Es ist zwar schon recht lange her (wohl 25+ Jahre), daß ich sowas für nötig befunden habe, aber wenn die Impedanzproblematik o.k. war (also solang die Gitarre eine hohe Eingangsimpedanz sah) hat jeder EQ das gemacht, was ich wollte und erwartet habe. Ich konnte bei eine „Verstümmelung“ feststellen und erinnere mich vor allem an ganz einfache Boss GE-10 und GE-7 Equalizer, die ihren Dienst zu meiner vollsten Zufriedenheit machten. Auch einen kleinen Yamaha Q100 2×7 Band Stereo EQ hatte ich mal in der Stereo-Summe meines damaligen Rigs. War genau, was ich da brauchte. Aber ob solche EQ’s für Dich o.k. sind, kann ich absolut nicht sagen. Ich würde meinen, daß Du höhere Ansprüche stellst.

    Vielleicht hat eine andere Forum-Teilnehmer einen eindeutigere Haltung. Ich selbst habe wie gesagt ewig keinen EQ mehr verwendet ausser dem, was sowieso in meinen Amps oder Vorstufen an Treble/Bass- und evtl. Middle- und Presence-Klangregelung angeboten wurde. Damit erreiche ich einen für mich sehr zufriedenstellenden Sound. Es hapert dann bei mir sowieso eher am Spiel ….

    Sorry, daß ich nicht mehr beitragen kann.

    Beste Grüße,
    T.

    #2313

    Schnippendippel
    Teilnehmer

    Ach… Dr. T. was heißt nicht mehr beitragen…, dass hilft mir doch schon weiter…

    Ich wundere mich allerdings, dass man die ganze Preamp-Power durch so eine kleine Büchse leiten kann!? Wirklich etwas empfehlen braucht mir auch keiner und ob ich wirklich so kritisch mit meinem Sound bin…keine Ahnung??? Ist vieleicht mehr ein psychologisches ähmm psychoakustische Problem mit zwei Ursachen. Erstens bin ich mit meinem früheren Rackgedöns eine effektivere Klangregelung gewöhnt und zweitens Probe ich mit 2 Stück 4×12″ die rechtwinkelig zueinander stehen in einem 10m² großem Proberaum. Da ist der Winkel zu meinen beiden abgeschrägten Cabs nicht wirklich optimal…

    Ich habe meinen Sound auch noch nicht wirklich gefunden mit wenig Geraffel. Für Rock und Solos käme ich wohl mit einem getunten Marshall klar, aber für einen ebenso präzisen wie fetten und etwas bösen Rhythmussound ist der gleichzeitig vollständig ungeeignet. Vieleicht hätte ich mich mal mit nem Rectifier beschäftigen sollen. Da geht aber nichts ohne Höhenbooster und einiges an Gebastel! Der klingt böse aber dem fehlt die Präzision. Den Engels fehlt das Volumen und ein wenig growl untenrum. Die Diezels waren z.T. sehr gut…aber der Koch kann das Anschlaggeräusch hammermäßig rausstellen ohne zu dünn zu klingen. Dem fehlen nur ein paar tiefe Mitten…oder meinen Boxen die Lautstärke wo sie richtig zu arbeiten beginnen…

    Ich teste mal was und halte Dich auf dem Laufenden.

    Bis dann

    Mirko

    #2317

    Square
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    >Ich wundere mich allerdings, dass man die ganze Preamp-Power durch so eine kleine Büchse leiten kann!?<

    Um Missverständnisse auszuschließen: Bodeneffekte wie der Boss GE-7 (haben meist einen Fußschalter) sind üblicherweise nicht für den höheren Line-Pegel an Verstärker-Einschleifwegen (send/return-loop) ausgelegt. Das liegt an den zu niedrigen Betriebsspannungen. Line-Pegel sind nicht eindeutig festgelegt; oft liegt die Referenzspannung bei 0dBV=1VRMS. Beim Koch Amp sind allerdings -10dBV= 0,31VRMS angegeben, sodass sich dieser auch mit den meisten Bodentretern vertragen dürfte.

    Gruß
    Square

    #2320

    Schnippendippel
    Teilnehmer

    Aha, danke Square…

    Nur zur Erhöhung meiner Allgemeinbildung…1VRMS hat nichts mit 1 Watt RMS zu tun, oder??? Sonst könnte man damit ja schon locker in Zimmerlautstärke spielen!?

    Hällst Du es für möglich, dass ich den Einschleifweg des Kochs mit z.B. Rackeffekten schnell übersteuern kann? Ich hatte schon häufiger Probleme mit Feedback im Loop.

    Beste Grüße

    Mirko

    #2322

    Rock
    Teilnehmer

    Hallo Mirko,

    RMS steht für den energetischen Mittelwert (Root Mean Square), im Deutschen „Effektivwert“. Der Effekt von Stromfluss war in grauer Vorzeit Erwärmung. Bei Gleichstrom war alles einfach, weil es nur einen Stromwert gibt, bei Wechselstrom ändert sich der Stromwert aber andauernd. Also wollte man eine einzige Zahl zur Charakterisierung. Das war der Effektivwert, der den selben Effekt (Wärme) erzeugt wie Gleichstrom mit gleichem Zahlenwert.

    Weil sich Gitarren- und andere Signale ändern, gibt es verschiedene Arten zur Messung von Mittel- und Maximalwerten. Diese Mittelung kann man für Spannungen anwenden (V_RMS), oder für Ströme (A_RMS), oder für Leistungen (P_RMS). Die RMS-Messung ist die übliche, deshalb lässt man den Zusatz RMS oft weg. Sie ist aber nicht die einzig mögliche, deshalb schreibt man, wenn man Irrtümer vermeiden will, RMS mit dazu.

    Gruß Rock

    #2324

    Square
    Teilnehmer

    Hallo Mirko,

    >Hältst Du es für möglich, dass ich den Einschleifweg des Kochs mit z.B. Rackeffekten schnell übersteuern kann? Ich hatte schon häufiger Probleme mit Feedback im Loop.<

    Übersteuern: Ja, der Pegel (Lautstärke) mit Effekt sollte in etwa dem Pegel ohne Einschleifen entsprechen. Falls trotzdem der eingeschleifte Effekt übersteuert, gilt: Returnpoti auf Maxwert und Sendpegel zurücknehmen. Hierbei entspricht das Returnpoti quasi einem Mastervolume für den Effekt und das Sendpoti dem Drive.

    Feedback im Loop: Wenn das bedeutet, dass es pfeift auch ohne Gitarrensignal, dann könnte ich mir so was nur im Parallelmode vorstellen, wo durch den Parallelweg (abhängig von der Schaltungstechnik) eine geschlossene Feedbackschleife entstehen kann.
    Im seriellen Betrieb ist das nicht möglich.

    Gruß
    Square

    #2328

    Schnippendippel
    Teilnehmer

    Soooo…Gitarre spielen könnte ja so einfach sein…aber wenn man doof ist hilft einem Alles nichts!

    Die Phasigkeit (ich weiß das ist kein Wort) habe ich im parallelen Loop nicht 100% weg bekommen. Der Sound war schon ok, aber bei starker Verzerrung immer noch etwas hohl und unecht. Ich hatte mir überlegt, dass die Mixanteile die das Line 6 erzeugt, da man ja hier jeden Effekt einzeln Mischen kann, das Problem sind. Dementsprechend habe ich dann die Looplautstärke am Amp reduziert und den Mixanteil am Effektgerät auf nahezu 100% erhöht. Das hat auch etwas gebracht ABER…???

    Dann nimmt man einfach den seriellen Effektweg und schon kann man den EQ benutzen, die Effekte anständig leveln usw. und hat mit dem ganzen Quatsch keine Probleme mehr. Und wieso das alles? Nur weil ich dachte, dass die Soundqualität besser sein wird, wenn nur ein Teil des Signals im digitalen Quatschapparat verstümmelt wird. Ach man, da habe ich jahrelang mit fette Racks und Loopern usw. gerabeitet und bin zu doof ein einfaches Effektgerät anzuschließen…Ich glaube ich kauf mir ne Telecaster und nen Twin…

    Danke trotzdem an ALLE die mir geholfen haben. Eine Frage habe ich aber noch: Ich habe früher eigetlich immer nahezu alle Rackeffekte parallel eingeschliffen. So Teile wie ein Intellifex oder nen Eventide usw. Warum gab es bei denen keine merkbaren Phasenprobleme??? Zufall? Oder haben die alten dgitalen Geräte keine Latenz bzw. wir müssten ja für eine korrekte Betrachtung wahrscheinlich Phasenlage und Latenz sogar getrennt betrachen, oder wie?

    Special Greetings

    El Mirko der Verkabelungsprofi

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